Sonntag, 1. August 2010 Start arrow Archiv arrow Freie Uni (06/07) arrow Berichte arrow 11.01.2007: Zusammenfassung der aktuellen Situation - Perspektiven und Forderungen
11.01.2007: Zusammenfassung der aktuellen Situation - Perspektiven und Forderungen
Mittwoch, 10. Januar 2007

 


Zusammenfassung der aktuellen Situation – Perspektiven und Forderungen

Das Rektorat der Ruhr-Universität hat vor Weihnachten die Verhandlungen mit den aktiven Studierenden und dem AStA über die Zukunft der Freien Universität Bochum abgebrochen und eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch gestellt. Gleichzeitig hat die RUB-Leitung der Freien Uni einen 70 m2 großen Raum im Gebäude GA im Austausch zum bisher genutzten Querforum West angeboten. Derzeit stehen der Freien Universität 650 m2 zur Verfügung, die intensiv für Seminare, Kulturveranstaltungen, Tutorien, Büroarbeitsplätze und Sozialräume genutzt werden. Bis heute hat sich die Leitung der Ruhr-Universität nicht dazu bereit erklärt, mit den Aktiven der Freien Uni über ein schlüssiges Konzept zu verhandeln, wie die vielfältigen Aktivitäten bei einer Verlegung in andere Räumlichkeiten erhalten bleiben können.

 

Insbesondere betrifft das folgende Punkte:

 

1.           Zugangsmöglichkeiten: Ein Großteil des Betriebs an der Freien Universität findet außerhalb der täglichen Vorlesungszeiten, nach 20 Uhr, an Wochenenden und Feiertagen statt. Das erklärt sich dadurch, dass die Studierenden tagsüber mit ihrem regulären Studium sowie mit Geldverdienen beschäftigt sind. Der angebotene kleine Raum liegt mitten in einem Universitätsgebäude, das ausgerechnet zu vielen der Zeiten, an denen die Freie Universität besonders stark frequentiert wird, nicht zugänglich ist. Das Rektorat hat sich bis heute einer Diskussion darüber verweigert, wie ein Betrieb der Freien Uni zu diesen Zeiten aufrecht erhalten werden kann. Als sozialer Treffpunkt zeichnet sich die Freie Universität gerade dadurch aus, dass sie auch außerhalb der täglichen Vorlesungszeiten den Campus belebt. Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich in konstruktiven Verhandlungen diesbezüglich auch Lösungen in anderen Räumlichkeiten finden ließen. Durch die Diskussionsverweigerung hat das Rektorat das jedoch leider bisher ausgeschlossen.

              

2.           Nutzungmöglichkeiten: Durch das selbstorganisierte Projekt Freie Universität Bochum ist aus dem Querforum West ein multifunktionell genutzter Ort geworden: Es ist Veranstaltungszentrum, sozialer Treffpunkt, Anlaufpunkt für Initiativen und schafft Raum für Angebote, die auf dem Campus einzigartig sind. Ein Beispiel: Während es in der Mensa und den Caféterien nach wie vor keine veganen Speisen angeboten werden, bietet die Freie Uni in der ehemaligen Übergangsmensa Querforum West regelmäßig zusammen mit der Initiative „Food Not Bombs“ ein alternatives Essensangebot an. Als Mitmach-Angebot sind diese Speisen für alle kostenfrei und werden sehr gut angenommen. Das Rektorat will in dem kleinen Alternativraum aber z.B. das Kochen explizit ausschließen. Einer Debatte darüber, wie solch integrale Bestandteile der Freien Universität auch bei einer Verlegung erhalten bleiben können, hat sich das Rektorat bisher verweigert. Ähnliches gilt für das wöchentlich stattfindende FUB-Café und solche größeren Kulturveranstaltungen, die Abends stattfinden. Derzeit sieht es für die Aktiven der Freien Uni so aus, als sollten mit einer Verlegung der Freien Uni diese wichtigen Bestandteile des studentischen Lebens auf dem Campus verschwinden.

 

Weil sich die Unileitung der Verhandlung über solche für uns zentrale Fragen bisher verweigert hat, war es den Aktiven der Freien Universität Bochum bisher überhaupt nicht möglich, auf das „Angebot“ der Uni-Leitung einzugehen. Es existieren einfach zu viele Fragezeichen, es sei denn man geht davon aus, dass es der Uni-Leitung nicht um eine Verlegung der Freien Universität, sondern um die faktische Abschaffung zentraler Bestandteile der Freien Uni geht.

 

Eine zentrale Frage in der Auseinandersetzung ist auch die zukünftige Nutzung des Gebäudes Querforum West. In den Räumen, die derzeit als selbstverwaltetes studentisches Veranstaltungszentrum genutzt werden, soll nach den Plänen von AKAFÖ und Uni-Leitung eine „Erlebnisgastronomie“ entstehen – ein Restaurant mit im Vergleich zur Uni-Mensa deutlich erhöhtem Preisniveau. Wo bisher Studierende eigene Veranstaltungen anbieten, wo sie sich auch mal bei günstigem selbst gekochtem Kaffee treffen konnten, sollen dann Professorinnen und Professoren sowoe andere, die es sich leisten können, für gutes Geld essen gehen. Eine solche Nutzung des Querforums ist für die aktiven Studierenden inakzeptabel. In den vergangenen Jahren hat die Kommerzialisierung des Uni-Campus beständig zugenommen. Es sind immer mehr Flächen entstanden, auf denen Menschen in erster Linie Kundinnen und Kunden sind. Dieser Trend muss in Bezug auf das Querforum West aufgehalten werden. Es war von Anfang an Teil des Projekts Freie Univesität Bochum, den öffentlichen unkommerziellen Raum zu erhalten und auszubauen.

 

Aus diesen Gründen fordern die Aktiven der Freien Uni Bochum:

 

1.            Rücknahme der Anzeige:  Rektor Elmar Weiler muss die Hausfriedensbruch-Anzeige gegen die Studierenden zurücknehmen, die das sonst leerstehende Querforum West auf dem Campus nutzen.

              

2.           Wiederaufnahme von Verhandlungen: Das RUB-Rektorat muss sich in konstruktive Verhandlungen über die Zukunft der Freien Uni Bochum begeben. Wenn über eine Verlegung der Freien Uni verhandelt werden soll, dürfen zentrale Fragen wie die Nutzbarkeit der Räume außerhalb der Vorlesungszeiten und die vielfältigen Nutzungsformen nicht ausgeblendet werden. Andernfalls kann nicht von fairen Verhandlungen die Rede sein.

              

3.           Schaffen eines realistischen Zeitplans: Das von der Freien Uni genutzte Querforum West würde ohne die FUB noch mindestens zweieinhalb Monate leer stehen. Das Rektorat muss auf den politisch motivierten Zeitdruck verzichten sich die Zeit nehmen, um mit der Freien Universität konstruktive Lösungen zu finden.

              

4.           Studentische Nutzung des Querforums: Der Plan von AKAFÖ und Uni-Leitung, aus dem Querforum West eine höherpreisige „Erlebnisgastronomie“ zu machen, muss mit sofortiger Wirkung eingestellt werden. Es müssen Verhandlungen über eine dauerhafte studentische Nutzung des Querforums aufgenommen werden.

 

 

 
< zurück   weiter >
[ Zurück ]